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Barbara Beidek, Roland Beidek

Gartenbaulehrer an der Freien Waldorfschule Schopfheim

Ein erweitertes Gartenbaukonzept

 

Publiziert mit freundlicher Genehmigung der Autoren auf www.schulgarten.ch. Aus Platz - und Qualitätsgründen wurde auf die reiche Bebilderung des Originals verzichtet. Februar 2000 Peter Lange

Abschnitt 1

Theoretische Ausarbeitung und anfängliche Umsetzung eines erweiterten Gartenbaukonzeptes in der Freien Waldorfschule Schopfheim 1997/98

Abschnitt 2

Einführung des Konzeptes in den Schulzusammenhang

Praxis im Schulalltag

Menschenkundliche Zusammenhänge

1998/99

Abschnitt 3

Bericht aber eine Projektarbeit mit einer 5. Klasse

 

  

Wenn es an dieser Stelle darum geht unseren Dank auszusprechen all denjenigen Menschen, die uns bis hierher mit ihrem Rat und ihrer Tat unterstützt haben, müssen wir zwangsläufig in grosse Schuld geraten! Niemals ist es uns möglich, all die Namen der Lieben aufzuzählen, die uns in mutlosen Zeiten Zuversicht vermittelt haben -, die mit uns felsenfest an die Zukunft unserer Arbeit geglaubt haben, die uns mit viel Fachwissen zur Seite standen, die unsere Mentoren waren und sind, die an unsere Kinder gedacht haben, wenn uns das unmöglich war, die Verständnis hatten für Zeiten des Rückzugs, die wir gebraucht haben, die uns überall wo es nötig war Starthilfen gegeben haben und auch weiter für uns da sind, die uns geholfen haben und auch noch immer weiterhelfen, ohne das es uns immer bewusst ist und nicht zuletzt an die, die uns finanziell so grosszügig unterstützt haben.

 

Auch wollen wir sehr dankbar sein für das Verständnis unserer Kinder für unsere Ausbildung. Sie haben oft auf einen Sonntag mit uns verzichtet.

Für all das und viel mehr danken wir.

 

 

1.Abschnitt 1997/98

Projektarbeit Gartenbau

Roland Beidek

Teil 1: Gedanken zum Fach Gartenbau an Waldorfschulen

Teil 2: Entwicklung eines neuen Konzeptes für die Freie Waldorfschule Schopfheim

Teil 3: Erfahrungen, Erlebnisse mit dem Konzept, Auswertungen und Zukünftiges

 

  

Zu Teil 1:

Der Bereich des Gartenbaus an der Waldorfschule ist eine wichtige Aufgabe und Herausforderung in unserer Zeit. Wie sind die Folgen einer sich immer stärker aus den natürlichen Zusammenhängen und Rhythmen herauslösenden Gesellschaft besonders für den heranwachsenden Menschen einzuschätzen? Kann heute ein neues, freies und dennoch verbindliches Verhältnis zu unserer Natur- und Kulturlandschaft gefunden werden? Die Garten- und Geländegegebenheiten einer Schule können als Grundlage einer Naturpädagogik , weiche grosse Bedeutung für die Entwicklung des Kindes hat, sein. Hier gilt es , Brücken zu bauen und Erlebnismöglichkeiten zu schaffen, die auf einer tätigen Auseinandersetzung mit unserer Umwelt beruhen.

Der Lehrplan Rudolf Steiners für die Waldorfschule sah das Fach Gartenbau nicht vor. Aus der Notwendigkeit, das Schulgelände zu pflegen , wurde laut Konferenz vom 6. 3. 1920 die Gartenarbeit als obligatorisch in den Unterricht hineingenommen Da aus Verantwortung gegenüber der Natur Handlungsbedarf bestand , wurden die Schüler in diese Verpflichtung mit einbezogen. Die pädagogische Wirksamkeit, einer aus der Natur heraus sich ergebenden Betätigung für die Schüler, war Rudolf Steiner ein deutliches Anliegen. Eine Begründung für das Fach Gartenbau ergibt sich in heutiger Zeit durch die Herausforderung , ein Schulgelände zu kultivieren. Noch wesentlich stärker ist heute die mannigfaltige pädagogische Wirksamkeit bei ständig zunehmender Naturentfremdung zu bewerten. Der Stellenwert der eigentlichen Lebensgrundlagen ( Erde , Wasser, Luft, Wärme ) hat sich in grossen Teilen unserer modernen Gesellschaft verlagert. Die Beteiligung früherer Generationen am Umgang mit den Naturelementen war aus überlebensnotwendigen Gründen ungleich höher als heute. Kinder erlebten somit meist zwangsläufig und selbstverständlich die lebenserhaltenden Bereiche Landwirtschaft - Garten im Wandel der Jahreszeiten mit. In moderner Zeit muss sich die Land - und Forstwirtschaft immer stärker dem "Zweckrationalismus" unterwerfen und wird ihrem eigenen Wesen nicht mehr gerecht. Im pädagogischen Gartenbau kann die Möglichkeit geschaffen werden , die Naturpflege nach individuellen Gestaltungsformen erlebbar zu machen, wenn es gelingt, ehrliche Arbeit zu leisten, die letztlich überzeugt und dadurch von der ganzen Schulgemeinschaft , den Nachbarn der Schule und einer Öffentlichkeit getragen ist.

Vertrauen und Zuversicht in unsere Lebensgrundlagen werden die Kinder erwerben können in einer immer unsicherer erscheinenderen Umwelt.

Der Waldorfkindergarten leistet durch regelmässige Wanderungen , spielerische Mitarbeit im Garten und Haus und oftmals durch die Pflege von Kleintieren eine sinnvolle Vorbereitung zu einer sich anschliessenden Weiterführung in der Schulzeit.

Bei dem meist üblichen Einsetzen des Faches Gartenbau in der 6. Klasse ist oft wenig Beziehung zum Schulgarten und dem Gartenbaulehrer gewachsen. Die Schüler können sich nur schwer dem " fremden " Fachlehrer anvertrauen , was für eine konstruktive Beschäftigung ohne den Rahmen des Klassenzimmers in der Freiheit des Gartens aber Voraussetzung sein sollte . Das ohnehin meist wenig ausgeprägte Verhältnis zur Umwelt wird durch die notwendige Distanzierung dieser Altersstufe der Weit gegenüber zusätzlich verstärkt.

 

Zu Teil 2 :

Aus den vorangehenden Fragen , Überlegungen und Erfahrungen entstand die Idee , die Schüler ab der 1. Klasse mit in den Garten einzubeziehen . In zunächst kleinen Gruppen nehmen alle Kinder an der Arbeit teil , die ein Gartenjahr natürlich bietet bei einem gut eingerichteten Schulgarten .

"Die Welt ist schön" - dieser seelischen Grundstimmung des Kindes im 2. Jahrsiebt zu

entsprechen ist Aufgabe des mit viel Schönheit ausgestatteten Schulgartens. Im Garten ist ein alle Sinne ansprechender Lebensraum vorhanden , in welchem miterlebt wird , wie das Schöne durch Menschenhand geschaffen und gepflegt wird .

Wie kann Gartenbau im obigen Sinn in Zukunft einen Beitrag leisten für unsere Schüler ?

Einrichtung eines funktionierenden Organismus Garten , der einerseits als Fordernder aus sich heraus den Willensbereich anspricht, andererseits als Schenkender die sinnliche Wahrnehmung schult und damit seine pädagogische Wirksamkeit aus der individuellen Gestalt heraus hat. Der Garten und das kultivierte Schulgelände soll auch ausserhalb des eigentlichen Faches Gartenbau möglichst allen Schülern , Kollegen und Eltern auf möglichst vielseitige Weise erlebbar gemacht werden . Das Miterleben und eher im Unbewussten bleibende Wahrnehmen des oder der gärtnerisch sinnvoll tätigen Menschen durch alle Klassen , sowie die Wirkung der lebendigen , alle Sinne ansprechenden Pflanzen - und möglichst auch Tierwelt wird eine positive Wirkung auf die Seelen - Gemütswelt der Schüler nicht verfehlen . Sinnvoll ist es , jüngeren Kindern in enger Zusammenarbeit mit den Klassenlehrern einfache wiederkehrende Tätigkeiten zu übertragen . Später sind die Kinder so vorbereiteter in den Garten hineingewachsen und können dann während eines Gartenjahres innerhalb der 5. / 6. Klasse intensiver alle anfallenden Aufgaben des Gärtners kennenlernen . Dabei können eigene Fähigkeiten entwickelt werden und Verantwortung für den Garten der Schule wird entstehen . Aus dieser Verantwortung heraus werden sich Verbindlichkeiten entwickeln , mit denen " in das Leben gewachsen werden kann ".

Das Gartenjahr ist zunächst vorgesehen für die Zeit 2. Halbjahr der 5. Klasse und 1. Halbjahr der 6. Klasse. Danach wird sich der Einsatz der Schüler vorwiegend auf Einzelprojekte oder freiwillige Mithilfe beschränken . Aus diesen neuen Konzeptansätzen heraus stellt sich die Frage , ob für diese Aufgabe eine Persönlichkeit stehen kann , die ihre Berufung als " Pädagogischer Gärtner " erkennen kann , basierend auf dem Willensimpuls , das Berufsbild des Gartenbaulehrers an Waldorfschulen weiter zu entwickeln .

 

Gartenbaukonzept der Freien Waldorfschule Schopfheim

Ich schaue in die Welt,

In der die Sonne leuchtet,

In der die Sterne funkeln,

In der die Steine lagern,

Die Pflanzen lebend wachsen,

Die Tiere fühlend leben,

In der der Mensch beseelt

Dem Geiste Wohnung gibt.

Der Beginn des Morgenspruches für die oberen Klassen benennt die einzelnen Bereiche unserer Lebensgrundlagen . Was Rudolf Steiner hier als feststehende , unerschütterliche und damit Lebensmut spendende Naturphänomene in das Bewusstsein hebt , ist heute durch Ängste und Befürchtungen belastet.

Die globalen Auswirkungen unserer Produktions - und Lebensweise haben erstmals in der Geschichte der Menschheit unser " Raumschiff Erde " in eine lebensbedrohliche Lage gebracht Mit dieser Bedrohung sind nicht nur wir Erwachsene sondern zunehmend unsere Kinder konfrontiert und ihr meist schutzlos ausgeliefert.

Unsere Schule muss sich deshalb der folgenden Frage stellen :

Wie wird es Kindern und Jugendlichen möglich sein , in einer bedrohten Umwelt die lebensnotwendige Zuversicht und ein Vertrauen auf den Bestand unserer Lebensgrundlagen zu entwickeln ?

Eine der möglichen Antworten auf diese Frage versucht das folgende Gartenbaukonzept:

Ausgehend von einem durch Menschenhand kultivierten Schulgarten und Gelände sollen sich schon Kinder ab der 1. Klasse durch einfache Tätigkeiten und durch die Beobachtung arbeitender Erwachsener und Schüler mit dem Schulgarten und dem Schulgelände verbinden . ( Im Sinne des von T. Richter formulierten Unterrichtszieles für die Sachkunde der ersten drei Schuljahre : " Bekanntmachen und Sich-Verbunden-Fühlen mit der Umgebung und mit der Arbeit der Menschen ".

Die Kinder sollen im Gartenbau erleben , wie der Mensch durch sinnvolle Arbeit in der Lage ist , ein Stück Erde zu kultivieren und wie durch das kunstvolle Eingreifen des Menschen die Lebendigkeit der Erde geweckt und gesteigert werden kann . Die Schüler sollen mir zunehmendem Alter einzelne dieser Tätigkeiten erlernen .

Die Konzeptgruppe für den Gartenbau geht davon aus dass die gärtnerischen Notwendigkeiten die Basis aller pädagogischen Überlegungen in diesem Bereich sein müssen . Gerade in diesen aus der Sache heraus notwendigen Tätigkeiten und Erfordernissen sieht die Gruppe den pädagogischen Wert dieses Unterrichtsfaches .

Es wurde daher eine umfassende Liste aller möglichen Arbeiten erstellt , die in unserem Schulgarten anfallen könnten . ( Keine Vollständigkeit ! )

Das Fach Gartenbau fest mit Wochenstunden im Stundenplan verankert findet seinen Raum in der 5. Klasse mit dem beginnenden Frühjahr und weiter in der 6. Klasse bis in den Spätherbst hinein. Es soll in dieser Altersstufe ein voller Jahreslauf im Garten erlebt und mitgestaltet werden. Grundlage bildet das Jahr des Gärtners , nicht das Schuljahr.

Ab der 7. Klasse sind einzelne , zeitlich begrenzte Projekte vorgesehen , die sich aus den Gartennotwendigkeiten ergeben . Dies soll in Absprache mit dem in Arbeit befindlichen Mittelstufenkonzept abgestimmt werden.

Im Unterstufenbereich sollen in Zusammenarbeit mit dem Pädagogischen Gärtner und dem Klassenkollegium einzelne zeitlich begrenzte Arbeiten von den Kindern übernommen werden unter Anleitung der Erwachsenen . Auch hierbei bestimmt vorwiegend die Notwendigkeit des Gartens Zeitpunkt und Dauer der Aufgabe .

Die Konzeptgruppe geht davon aus, dass ein volles Deputat für den Gartenbau notwendig ist.

Zur Verteilung dieses Deputats auf die verschiedenen Klassenstufen schlägt die Gruppe vor : 1/2 Deputat Klasse 1 - 6 , 1/2 Deputat für Projektarbeit ab Klasse 7 und alle weiteren gärtnerischen Arbeiten . Dass sich die Arbeiten gegenseitig durchdringen und eine Gartengemeinsamkeit entsteht ist unerlässlich. Ein wichtiger Bestandteil des Arbeitsvertrages mit der oder den Persönlichkeiten , die im Garten tätig werden wollen , sollte die Ferienregelung beinhalten . Der Garten braucht Pflege während der Ferienzeiten Wochenenddienste im Gewächshaus und viele Sonderaufgaben ! Demgegenüber benötigt der Gartenbaulehrer ebensolche Pflege und Ferienzeit ( Winterruhe ! )

Konzeptgruppe ,

Herr und Frau Beidek W. Karcheter R. Kern Dezember 1997

 

Zu Teil 3:

Bislang kamen Schüler der Klassen 1 bis 4 in festen Gruppen zu 6 bis 8 Kindern während des Hauptunterrichtes in den Garten. Mit grossem Eifer und Hingabe wurden die Beete bestellt, gepflegt und die Ernte fand in der Schulküche grosse Beachtung. Mit Staunen und Verwunderung wurde das Pflanzenwachstum beobachtet, ebenso mit grösster Aufmerksamkeit die Beete der anderen Klassen angeschaut und beurteilt. An bestimmten Projekten wie zum Beispiel einer Schafschur und weiterer Wollverarbeitung nahm die ganze Klasse teil, der Klassenlehrer war anwesend.

Fächerübergreifender Unterricht findet zur Zeit in der 6. 7. und 8. Klasse statt, in Kombination mit viel praktischer Arbeit in Form verschiedener Projekte, die der Pädagogische Gärtner angeregt hat und bei deren Planung und Ausführung er überblickend mitwirkt. Die Schüler der 6. und 7. Klasse arbeiten mit dem Klassenlehrer wochenweise in drei Gruppen zu jeweils 10 Schülern.

Projektmässig arbeiten mit mir derzeit Achtklässler als Fünfergruppe drei Doppelstunden in jeweils einer Woche an verschiedenen Bereichen, die zur Fertigstellung der baulichen und gärtnerischen Belange notwendig sind. Bei guter Vorbereitung und straffer Führung werden die anfallenden Aufgaben meist zufriedenstellend erledigt. Die fehlende Beziehung und Verbindlichkeit im Garten machen sich in vielerlei Hinsicht bemerkbar.

 

2. Abschnitt 1998/99

Blumengruss

Der Strauss, den ich gepflücket,

Grüße dich vieltausendmal!

Ich habe mich oft gebücket,

Ach, wohl eintausendmal,

Und ihn ans Herz gedrücket

Wie hunderttausendmal!

Goethes Blumengruß kann ein Bild sein für das Entstehen dieser Arbeit. Ein bunter Blumenstrauss ist entstanden, viele Male ans Herz gedrückt und im Bücken tausend neue schöne und noch schönere Blumen entdeckt!!

 

 

 

Teil 2

 

Wie weit sind wir mit unserer Arbeit gekommen?

Haben sich Fortschritte für unsere Schule und die Schüler ergeben?

An weichem Punkt der Entwicklung des Schulgartens stehen wir?

Konnte das neue Gartenbaukonzept auf sicheren Boden gestellt werden?

Kann das Kollegium weiter mit dem Konzept arbeiten?

Welche Beobachtungen und Erfahrungen mit den Schülern konnten wir gewinnen?

Ist unsere Zusammenarbeit fruchtbar für das Ganze und wie gehen wir persönlich mit dieser Art "Dauerhospitation" um?

Haben wir im dritten Jahr der Arbeit "Müdigkeit" entwickelt oder begnadet uns noch der Anfangsschwung?

Haben wir uns Souveränität erworben und können wir trotzdem tägliche neue Erfahrungen machen, sind wir offen genug dafür?

Auf diese und ähnliche Fragen kann unser Bericht manche Antwort bereithalten. Aber es tauchen auch täglich neue Fragen auf, deren Beantwortung täglich neu gefunden werden soll. " Alles ist im Fluss ........"

 

Wir haben den Versuch unternommen das Fach Gartenbau an unserer Freien Waldorfschule Schopfheim zu erneuern, zu erweitern und zu einem wichtigen Bestandteil unserer Schule werden zu lassen. Dieser Weg ist nicht abgeschlossen, im Gegenteil, er liegt als Aufgabe täglich neu vor uns und wir haben uns auf diese wirklich lohnende Aufgabe jeden Tag mit Ideenreichtum, Geistesgegenwart und der Bereitschaft zu neuen Erfahrungen einzulassen.

Viele wertvolle Anregungen konnten uns vom Praxisbegleitenden Seminar zufliessen bezüglich der menschenkundlichen Arbeit, die das Fundament ist für unser praktisches Tun. Allerdings haben wir sehr oft den Eindruck ganz am Anfang unserer Bemühungen zu stehen. Ohne die Unterstützung der Klassenlehrer und der Fachkollegen hätte die Arbeit bis zu diesem Punkt nicht entstehen können. An unserer Schule findet der Garten große Beachtung, wird unterstützt wo es nur irgend möglich ist und ist als Herzstück eingebettet in den Schul-Alltag. Unser aller Schulgarten ist einbezogen in das Schulleben, ist für die Öffentlichkeit um unsere Schule von Wichtigkeit und in der Schulgemeinschaft nicht mehr wegzudenken. Er ist ein Ort der Begegnung geworden, der Freude und der Sorgfalt, des Loslassendürfens und der Geschenke, die er für jeden bereithält. Und: für uns Arbeitende immer wieder neu, anregend, voll sprühender Ideen, wenn wir uns auf ihn einlassen können und die Verbindung zur Pädagogik schaffen können. Den Garten mit der Pädagogik an unserer Waldorfschule zu verknüpfen und damit zu arbeiten ist das Anliegen der vergangenen und zukünftigen Jahre. So ist die vorliegende Arbeit entstanden, die ganz aus der Praxis geschöpft wurde. Wir hegen sogar die Hoffnung, dass sich noch andere Waldorfschulen für das Konzept, mit dem wir so positiv leben können begeistern werden!

Wir haben einen kleinen "Lehrplan" gestaltet für die Klassen 1 bis 8. Im jeweils ersten Abschnitt können in sehr geraffter Form menschenkundliche Aspekte für die jeweilige Altersstufe gefunden werden. Im zweiten Abschnitt für eine jede Klasse wird der Bezug zum Schulgarten versucht herauszuarbeiten und im dritten Abschnitt wird kurz angesprochen, welche praktisch-künstlerischen Arbeiten sich nach unseren Erfahrungen für die Klassenstufe eignen.

Das Schönste an unserer Arbeit ist, dass sie nicht "fertig" ist und auch keine fertigen Rezepte bereithält. Jeder Schulgarten ist als ein eigener und anderer Organismus zu verstehen und ist unbedingt als der dem höheren Wohl Dienende aufzufassen.

Einiges vom Waldorf-Kindergarten

Wir sind in der glücklichen Lage zum in der Nähe angesiedelten Waldorf-Kindergarten einen guten Kontakt aufgebaut zu haben. Jeden Dienstagvormittag erfüllt die frohe und sehr lebendige Kinderschar den Schulgarten. Mit ihrer Kindergärtnerin erscheint der Schwarm und bringt zuerst ein liebes Geschenk. Dann wird sich um den Maulbeerbaum versammelt und das Wichtigste wird ausgetauscht. Mit den "Schulkindem im Kindergarten" geht es in das Gartenbauhaus, wo dann immer etwas Besonderes angeschaut wird oder eine wichtige Angelegenheit bewegt wird. Es wird wieder ein Kreis gemacht um den Maulbeerbaum, der auch ganz besondere Beachtung findet und ein Abschiedslied gesungen, ein Geschenk aus dem Schulgarten wandert mit den Kindern zurück. Es wird gewinkt, bis wir uns aus den Augen verlieren!

Welch kleiner Aufwand von wöchentlich fünfzehn Minuten mit weich großer Wirkung für die Kinder und das Umfeld unserer Schule!

Für diesen Kontakt und den frohen Austausch mit dem Kindergarten sind wir sehr dankbar. Wir verbuchen die Wärme dieses Besuches und holen sie dann später hervor, wenn wir die Kinder als Siebtklässler vor uns haben...

 

1.Schuljahr

Wenn das Kind mit 7 Jahren in die Schule kommt ist es bereit sich aus der Lebensphase der Nachahmung des 1.Jahrsiebtes zu lösen. Doch werden die Nachahmungskräfte erst allmählich zurückgehen, etwa innerhalb der ersten 3 Schuljahre. Vorerst lebt das Kind in einem mehr träumenden Mitleben mit der es umgebenden Umwelt und den Menschen. Einssein mit der Welt, die gut, schön und wahr ist lebt als Grundstimmung im Kind.

"Schule als Lebensraum" kann jetzt veranlagt werden.

1.Schuljahr im Schulgarten: Es ist für die noch eher unbewußten Wahrnehmungen der Kinder von bedeutendem Wert, dass der Schulgarten in einem geordneten und gut gepflegten Zustand ist. Er ist der Ort, wo es möglich ist, dass die Kinder arbeitende Menschen erleben können. Die älteren Schüler werden da zum Vorbild. Die Erlebnisse der Schüler miteinander zwischen einer 1. und 8. Klasse z.B. sind von großem Nutzen, werden doch die erdschweren Schüler einer 8. Klasse oft von der Begeisterung der Kleinen bezaubert und angesteckt!

Zu den Schönheiten eines Schulgartens gehört neben gepflegten Gemüsebeeten die Pracht einer möglichst vielseitigen Blumenflora. So wird dafür gesorgt, dass die 1. Klasse geschlossen an einem "Bilderbuch-Herbsttag" in den Schulgarten kommt und in ein sehr gut vorbereitetes Beet Blumenzwiebeln steckt. Der Klassenlehrer hat das mit den Kindern sehr gut vorbereitet und die Freude an der kleinen Tätigkeit für das "Schöne" im nächsten Frühling, wenn der Winter vorbei ist, ist für alle Beteiligten das größte Geschenk. Ist dann das Frühjahr gekommen, können die Kinder damit beginnen die Sonnenblumen zu säen, die dann der neuen ersten Klasse überreicht werden sollen. Den ganzen Sommer über wird beobachtet, ob die kostbaren Sonnenblumen auch gut wachsen und jede Schnecke wird verfolgt, aus dem Garten geworfen und es wird gehackt, gejätet und gegossen. Ideal ist es, wenn der Gartenbaulehrer noch einige Sonnenblumenkerne von Herbst der Einschulung den Kindern aufbewahrt hat oder sie das selbst getan haben. Hat man genügend Kerne gesammelt, kann als Gemeinschaftswerk auch ein Vogelhäuschen entstehen, in dem die Vögel im Winter gefüttert werden. Auch können anläßlich einiger Spaziergänge Beeren gesammelt werden und eine "Futtermischung" hergestellt werden.

 

2. Schuljahr

Innerhalb des zweiten Schuljahres differenziert sich die träumerische Gesamtheit des Seelenlebens des Kindes. Das Kind erwirbt sich eine größere Wachheit. Es entsteht eine erste keimhafte Freude an den in der Natur lebenden Gedanken.

Wir haben die Aufgabe, die Kinder ganz über das Gemüt anzusprechen. Ihre Augen für das Schöne, Wahre und Gute müssen geöffnet werden, aber ebenso die Abscheu vor Häßlichem.

Für die drei ersten Schuljahre gilt: Was ich säe, das ernte ich. Und alles geschieht während eines Sommers. So überlassen wir den ZweitklässIern die Zwiebelbeete. Im Frühjahr kommen sie voller Eifer in den Garten. Sie werden dazu in kleinen Gruppen aus dem Hauptunterricht geholt für eine überschaubare Zeit. Die Gruppen sind fest eingeteilt. Wir stecken die Zwiebeln, pflegen sie durch den Sommer und als 3. Klasse gleich nach den großen Ferien werden sie geerntet, geputzt und anläßlich unseres Schulerntedankfestes in die Schulküche gebracht. Wir freuen uns während aller Arbeit an dem Wachstum der Zwiebeln, bewundern die schön glänzende braune Haut der Zwiebeln, lockern immer wieder die Erde und sind bei Putzen im Herbst voller Zweifel, ob unsere Tränen auch wieder aufhören zu fließen. Wenn wir noch ein bißchen Zeit haben, können wir die Zwiebeln auch zu Zöpfen flechten.

 

 

3. Schuljahr

Während des dritten Schuljahres entwickeln sich die Kinder in der Weise, dass eine Stufe der Ich-Empfindung erreicht wird, auf der sich Innenwelt und Aussenwelt voneinander trennen. Es kommt zu einem distanzierteren Verhältnis zur Welt.

Der Blick der Kinder wird nach aussen auf die Berufswelt gelenkt, am besten durch tätiges Miterleben. Der Horizont wird weiter, Interesse wird geweckt, die Kinder werden herangeführt an die Welt der Tiere, Blumen, Bäume, Steine, den Sternen, Wolken und Winden.

"Der Erzieher darf keinen Kompromiß mit dem Unwahren schliessen". Das ist im Garten besonders wichtig und für alle am Garten arbeitenden Menschen eine Grundbedingung. So werden im 3. Schuljahr auf ordentlichen Beeten Erbsen und Bohnen gelegt, und im weiteren Verlauf des Sommers gepflegt. Hier gilt wie für die erste und zweite Klasse auch, dass geerntet wird, was gesät ist, dass die Arbeiten während eines Sommers auch zum Abschluß kommen sollen und dass die stolze Ernte an die Schulküche verschenkt wird. Ist der Gartenbereich so wie in unserer Schule im Gelände integriert, kommen idealerweise die Kinder sehr oft während der grossen Pause in den Garten, schauen nach ihren Beeten und fangen sehr häufig ein Gespräch mit den Gartenbaulehrern an, die sie natürlich immer bei der Arbeit antreffen. Erleichtert wird die Suche nach dem Klassenbeet dadurch, dass ein schönes Schild mit der Aufschrift der jeweiligen Klasse in den Beeten steckt. So verbinden sich alle Schüler gern mit dem ganzen Garten und jeder ist um ein schönes Beet bemüht. Ideal ist es, wenn die Kinder im Garten eine Gartenmauer während der Hausbauepoche mauern dürfen, die gebraucht wird und nicht wieder aufgelöst wird, damit auch in dieser Tätigkeit das Wahre (unbewußt!) erlebt wird. Auch kann an einer dafür sinnvollen Stelle des Gartens z. B. ein Flechtzaun aus Weidenruten entstehen, auf den man einige Zeit mit Stolz schauen kann. Es ist schön, wenn man als Gartenbaulehrer eingeladen ist das Pflügen , Eggen und Säen zu begleiten, welches der Wahrhaftigkeit zuliebe auf einem Bauernhof stattfindet.

 

4. Schuljahr

Im Verlauf dieses Schuljahres vollziehen die Kinder einen wichtigen Schritt in ihrer Entwicklung. Endgültig wird die frühe Kindheit verlassen, die Kinder gehen durch die Zeit des "Rubikon". Es muß ein anderes Verhältnis zu sich und der Welt gefunden werden. Mut und Kraft brauchen die Kinder jetzt, Bestätigung und Ermutigung. Sind die Kinder durch die Krise des 10. Lebensjahres gegangen, entsteht die Kraft der Bejahung und damit die Freude an neuen Erlebnissen. Hinwendung zur Natur wird jetzt ganz wichtig, Freude über neue Erlebnisse in der Schule finden ihren Ausdruck in der Hinwendung zum Schönen. Überall sollte das Kind jetzt dem Schönen begegnen und es pflegen lernen. Aller Unterricht soll anregend und aufweckend sein. Zu begeistertem Tun anregen wird man die Kinder, wenn sie der Weisheit der Weit durch die Schönheit begegnen. Waren die ersten drei Schuljahre stark durch das Willenshafte bestimmt, so beginnt jetzt die seelenhafte Epoche, eine mehr gedanklich durchdrungene Zeit wird während der sechsten bis achten Schuljahre folgen.

Im Garten werden jetzt anspruchsvollere Tätigkeiten erlernt. Im zeitigen Frühjahr werden erste Arbeiten im Gewächshaus erlebt, ein ganz neues Tätigkeitsfeld! Zuerst mischen wir uns Komposterde zurecht, die wir für die Aussaaten benötigen. Wir säen und pikieren Gemüsepflanzen und einjährige Blumen als Schmuck für unseren schönen Garten. Alle gut gewachsenen Pflanzen werden dann auf die vorbereiteten Beete gepflanzt. Wieder wird das Jahr über alles gepflegt und jetzt auch ein wenig bedacht. So sind wir in jedem Jahr unserer Erde ein bißchen nähergekommen. Bestätigt in unserem richtigen Tun werden wir, wenn wir die Ernte der Schulküche zur Verfügung stellen und manches gute Essen für alle Schüler und Lehrer gekocht wird. Wichtig ist es uns, dass so mancher Blumenstrauss im Schulbüro, im Lehrerzimmer und in der Schulküche auftaucht und mit besonderem Stolz werden Blumensträusse in den Klassenzimmern verteilt. Zu Beginn der 5. Klasse im Herbst beginnen wir dann ermutigt durch unser Tun damit, einen Rückblick auf unser Gartenjahr zu halten in Form eines liebevoll gestalteten Heftes. Auch können wir schon Einiges aufschreiben über Kohlpflanzen z. B. oder eine schöne Blume malen, die uns im Sommer besonders erfreut hat. Es wird gern geholfen beim Abräumen des Gartens im Herbst. Und etwas ganz Wichtiges und Neues ist jetzt im Garten dazugekommen: Wir finden das Fach Gartenbau im Stundenplan, fest und verbindlich eingerichtet in den dafür vorgesehenen Zeiten. Freudige Spannung entsteht, wenn über den Winter der Garten ruht. Was werden wir wohl im nächsten Jahr erleben?

5. Schuljahr

In diesem Schuljahr erwächst die neue Fähigkeit zur Gegenüberstellung von Ich und Welt. Harmonie, Beweglichkeit und Lebensfreude durchwärmen alle Aktivitäten. Dem "Gegenüber" wird vertraut und der Harmonie dieses Lebensalters darf keine Enttäuschung zugefügt werden vom Erziehenden. Die Schüler haben eine unbefangene Offenheit, die zu pflegen sich lohnt.

Neue Erlebnisse, die die Schule bereithält pflegen das Gefühl der Freude.

Im Garten steht uns der "Möhrensommer" bevor. Wir betreiben den Anbau der Möhren für die Schulküche. Dabei lernen wir ausführlich Exaktheit, Gründlichkeit und eine Wachheit, die uns zum Umgang mit den Möhrenbeeten befähigt. Wir betrachten uns eifrig die "Wilden Möhren", die auf unserem Schulgelände zahlreich zu finden sind. Über unseren Möhren-Sommer schreiben wir an Regentagen oder auch im Herbst wieder weiter in unserem Gartenbauheft. Wir sind auch zuständig für den Salat im Schulgarten und pflegen unsere Kräuterbeete. Jetzt schreiben wir unsere "Lieferungen" an die Schulküche ordentlich in ein Lieferschein-Heft und erwarten eine Gegenzeichnung der Küche. Auch gewinnt unser Einsatz einen neuen Wert dadurch, dass jetzt die Erzeugnisse des Gartens dem Garten "abgekauft" werden. Über den Erlös wird genau Buch geführt, dabei Hauptsachen von Nebensachen unterschieden und der Erlös, der uns mit Stolz erfüllt, ist bestimmt zum Kauf von Sämereien für das folgende Gartenjahr.

All diese Tätigkeiten ragen in die 6. Klasse hinein. Ebenso müssen die Beete umgegraben werden und für den Winter vorbereitet werden. Hier muß erwähnt werden, dass es sinnvoll ist, mit den Schülern ein künstlerische Gartenprojekt in Angriff zu nehmen, weiches dem Bedürfnis nach Harmonie, Lebensfreude und Schaffensdrang entspricht. Wir sind dabei nicht festgelegt und nicht darauf angewiesen nur Praktisches entstehen zu lassen. Es kommt an auf die Schönheit und ein sinnvolles Verweben mit der uns umgebenden Natur. Auf wahre "Echtheit" ist der Wert zu legen.

Hat man als Gartenbaulehrer die Möglichkeit anläßlich einer Pflanzenkundeepoche der 5. Klasse zu hospitieren, kommt das nicht nur dem Gartenbaulehrer zugute, sondern auch den Schülern der 5. Klasse, die das Interesse des Lehrers mit Stolz erfüllt.

 

6. Schuljahr

Tiefgreifende Änderungen werden vollzogen im Verlauf des 6. Schuljahres. Neue seelisch-geistige Kräfte beginnen beim jungen Menschen zu wachsen, die er aus seiner Ich-Organisation heraus noch nicht lenken kann. Gefühls- und Willenskräfte beginnen sich zu verstärken und der Schüler steht jetzt deutlich auch vor einem physischen Reifungsprozess. Der Schüler, dessen Bewegungen bisher von einer natürlichen Art bestimmt waren, lebt sich ein in die Schwere seines Knochensystems. Die Bewegungen werden kraftvoller. Bis zu einem Umgang mit den neuen Kräften gefunden wird, erscheinen alle Bewegungen schlaksig und ungelenk. Differenzierung in der Entwicklung zwischen Buben und Mädchen beginnt. Gleichzeitig entwickeln sich neue Seelenkräfte, mit denen das Kind sich die Welt zu eröffnen sucht. Die intellektuellen Kräfte, die zur Entwicklung kommen, befähigen den Schüler, die Wirkverhältnisse der Weit mit den Gedanken zu erfassen. Kausales Denken wird langsam erübt. Zusammenhängende Ereignisse des Lebens möchten überschaut werden. Dieser Entwicklungsschritt durchzieht die Zeit bis zum Ende des zweiten Lebensjahrsiebtes. Die Verschiedenartigkeit der Mitschüler wird entdeckt, es entstehen häufig Gruppen, auch Aussenseiter. Kameraden werden heftig diskutierend verteidigt, das noch schwankende und ungeordnete Gefühlsleben sucht nach Orientierung beim Erwachsenen. Als Erzieher müssen "wir das innere Verständnis für die Umbruchsituation des Kindes entwickeln, Ruhe und Gelassenheit nach aussen zeigen und den so wichtigen Humor nicht vergessen!

Das 6. Schuljahr im Garten: Bezogen auf unsere Schule und den Schulgarten bedeutet das für unsere Schüler das Folgende: Kommen die Schüler im beginnenden Herbst in den Garten, suchen sie unbewusst jetzt nach einer "Sachautorität'. Vor den grossen Ferien hat sich die Gartenbaulehrerin der ersten Schuljahre verabschiedet, die Kinder sind darauf vorbereitet und freuen sich auf den Gartenbaulehrer, der sie nun durch die nächsten Jahre begleiten wird. Sie haben ihn in den vergangenen Jahren mit den "Großen" arbeitend bereits erlebt und Anteil an seiner gartengestalterischen Arbeit genommen. Notwendig wird es jetzt sein den Garten auf den Winter vorzubereiten. Nur so kann im nächsten Frühjahr Schönes und Wichtiges entstehen. Sehen wir uns im Frühjahr wieder, hat jeder Schüler nun sein eigenes Beet, über welches er die Verantwortung trägt. Hier ist in der Praxis erlebbar die erwachende neue Fähigkeit des Schülers: Ursache und Wirkung gedanklich in Beziehung zu setzen. Genau stellen sich Fehler, Schlampigkeit, Nachlässigkeit, aber auch Fleiss und Überblick dar. Wir können vorsichtig damit beginnen unsere Arbeit zu beurteilen, sie ist ja offensichtlich. Schön ist es, wenn der Gartenbaulehrer soweit mit seiner Autorität zurücktreten kann die Zeit aufbringt ein eigenes Beet von vorbildhaftem Charakter zu gestalten! Die erwachende seelische Subjektivität kommt so an der Arbeit des Gartenbaulehrers nicht "vorbei" ! Durch das wachsende Interesse an der Welt des Gartens und den damit verbundenen intensiven Erlebnissen wird der Denkpol im Schüler stark angeregt. Denn alles, was intensiv erlebt wird, strebt nach einer Aufklärung im Denken. Willenscharakter hat der starke Wunsch nach eigener Erfahrung in der 6. Klasse! Ein Erfolgserlebnis drängt nicht nur auf Wiederholung sondern auf eine Steigerung der Aufgabe. Gezieltes Tätigsein wird beflügelt durch das Gefühl. So bilden die Gefühle eine Brücke zwischen Denk- und Willenspol. Wir können im Garten starke Gefühle erleben, z. B. Unlust bei Regen, Sonne, Hitze, bei Durst und Müdigkeit, aber auch Freude über gut gelungene Arbeiten und über unser eigenes Durchhaltevermögen! Entdeckendes Lernen kann zum eigenen Erlebnis werden. Der Weg zum Ziel: ein eigenes gut gepflegtes Gartenbeet zu erarbeiten muss vom Schüler weitgehend selbst gefunden werden, alle Folgen seiner Arbeit hat er sich selber zuzuschreiben. Durch den Erfolg wird er bestätigt, Misserfolge wollen korrigiert werden. Der fühlende Mensch antwortet auf die eigenen Ergebnisse seiner Arbeit und setzt den eigenen Lernprozess durch Denken und Tun in Gang.

 

7. Schuljahr

Endgültig sind die Schüler angekommen an der Schwelle von der Kindheit zur Jugend. Seelisches, bisher noch mehr von Innerlichkeit geprägt, tritt jetzt nach aussen, bricht durch! Das logische Denken wird verfügbarer, daher wächst zunehmend die Freude an Kritik, Argumentation und eigener Meinung. Humor wird für den Erzieher unentbehrlich! Die naturwissenschaftlichen Fächer regen das kausale Denken an. Und wie reagiert der Gartenbaulehrer auf diese Situation? Er wird als Angebot die Auseinandersetzung wählen! Denn diese wird von den Schülern gesucht. Als sinnvoll könnte während des 7. Schuljahres ein Forstpraktikum angesehen werden. Auch ist es wertvoll, mit dem Förster oder der Stadt in gutem Kontakt zu stehen. So kann in der Nähe der Schule ein Waldstück zur Pflege übernommen werden, wobei der "Fachmann" meist gut aufgenommen wird! Während einer Epoche in der Schule wird man sich der Gehölzpflege widmen, das bedeutet: kontrollierte Eingriffe im Gelände. Der anfallende Grünschnitt wird gehäckselt und verkompostiert oder auf die Gartenwege ausgebracht. Bei diesen Tätigkeiten kann der Wunsch nach Auseinandersetzung sinnvolle Erfüllung finden.

Projektbezogene Klassenfahrt Ende der 7. Klasse 1999

Gemäß der Entwicklung der Schüler in der Mittelstufe, in der eine Selbstbewusstwerdung, ein der Welt Gegenüberstehen und diese Erforschendes, Fragendes allmählich in den Vordergrund tritt, werden die Autoritäten der Kindheit langsam abgelöst. Aufgrund dieser Tatsachen stellt sich auch für den Gartenbaubereich die Frage, wie dem Jugendlichen in dieser Zeit der grossen Umstellungen und Aufbrüche am ehesten Rechnung getragen werden kann. Einerseits ist es wichtig in diesem Alter klare Orientierungshilfen und Sicherheiten zur Verfügung zu stellen, andererseits wird es für den Schüler in der altgewohnten Umgebung und den dazugehörigen Menschen leicht einmal zu eng! Er sucht nach Sicherheit, die er sich selbst erarbeiten kann und erste Schritte zu etwas ganz Individuellen wollen getan werden. Da für obige Anforderungen der Schulgarten nicht genug Raum bietet, sind ab der 7. Klasse Möglichkeiten im Umfeld der Schule zu suchen. Der Forst oder andere oekologisch-soziale Arbeits- und Einsatzgebiete bieten sich an zu sinnvollem Einsatz. Für unsere 7. Klasse hatte sich die Gelegenheit nach dem schweren Lawinenwinter 1998/99 ergeben an Räumarbeiten im Oberwallis teilzunehmen. Nach kurzer Darstellung der Situation im Wallis war der Grossteil der Klasse spontan dafür die Klassenfahrt für eine solche Hilfsaktion zu nutzen. Die vorbildliche Zusammenarbeit mit dem Forstdienst vor Ort und der ausgezeichneten Unterbringung bildeten gute Rahmenbedingungen. Von Lehrern, Oberstufenschülern und Eltern wurden relativ kleine Gruppen an fünf verschiedenen Arbeitsstellen betreut. Die Arbeit war im Allgemeinen schwer ( Schutt und Holz wegräumen, Wege planieren ) aber die Einsicht in die Notwendigkeit und Hilfe, die dadurch geleistet werden konnte, überwog bei Weitem alle Antipathiestimmungen. Am idealsten stellte sich für die Jugendlichen die Situation dar, wenn es sich ergab, dass mit Einheimischen zusammengearbeitet werden konnte. Ebenso stiessen die Einführungen durch den Förster auf allgemein sehr grosse Aufmerksamkeit.

Die mit der Arbeit einhergehenden Erfahrungen und das unmittelbare Erleben von Ursache und Wirkung, bezogen auf ein praktisches Erfahrungsfeld, bewogen die Schüler mit Stolz auf ihren Einsatz zu schauen und während der grossen Ferien wurden die Einsatzplätze, wo es möglich war, den Eltern gezeigt.

 

Das 8. Schuljahr

Das Gesetz von Ursache und Wirkung wird nun auch für den persönlichen Bereich als zutreffend erkannt. Selbstständiges Arbeiten, sachgemäß und zielstrebig, müssen die Schüler sich jetzt erarbeiten. Soziales Miteinander in der Arbeit ist eine Forderung. Überwindung von Sympathie und Antipathie gegenüber einer Sache wird erübbar. Die Schüler erlernen, mit für sie noch unbekannten Phänomenen und eigenen Problemen fertig zu werden. Die Zeit der Autorität klingt aus. ( Souverän damit umgehen!)

Der Schulgarten wird den Heranwachsenden nun zu klein, es sei denn, jüngere Schüler könnten mitbetreut werden. Bestenfalls entsteht noch eine gewisse Hilfsbereitschaft, wenn dazu die Grundlage in den vergangenen Schuljahren gelegt wurde und ein Vertrauensverhältnis geschaffen wurde. Hier 'Versäumtes" kann nur mit grösster Mühe aufgeholt werden. Der Gartenbaulehrer wird innerhalb verschiedener Projekte mit den Schülern arbeiten. Es bieten sich Patenschaften an, z.B. einen Bachlauf zu pflegen, Projekte im Umweltbereich, z.B. im Naturschutzgebiet Feldberg oder auch Hilfseinsätze. Eine Projektarbeit bei der Weideinspektion des südlichen Hochschwarzwaldes ist naheliegend.

Bewähren muß sich dann alles bis hierher Getane während des Landwirtschaftspraktikums in der 9. Klasse, welches vom Gartenbaulehrer mitbetreut wird.

 

Erfahrungen mit einer 9. Klasse im "Bergwaldprojekt"

Die Teilnahme an einem zweiwöchigen Forstpraktikum, das von der "Bildungswerkstatt Bergwald ", ein Projekt von CH Waldwochen, durchgeführt wurde, hat mich überzeugt und bestätigt, wie wertvoll solche Unternehmungen für die beteiligten Jugendlichen sind. Die ausgereifte, fachmännische Durchführung von nicht schulinteren Fachleuten bedeutete für die Schülerinnen und Schüler eine wertvolle, positive Erfahrung. Kaum ein Jugendlicher brachte Kenntnisse aus dem forstlichen Bereich mit. Die Arbeit im überwiegend sehr steilen Bergwaldgelände erfordert Geschick und Kraft. Durch die einfuhlsamen und sachlich fundierten Einführungen der Fachleute konnten die in kleinen Gruppen arbeitenden Schülerinnen und Schüler sehr bald die ersten Erfolgserlebnisse verbuchen. Durch das Wechseln der Einsatzorte und teilweise der Betreuer konnten sehr reichhaltige Erfahrungen von Allen gemacht werden. Die intensiven Sinneserfahrungen aus einer aktiven Position heraus und die ökologisch-sozialen Werte dieser Aktion sind sicher für alle Beteiligten von bleibendem Eindruck. Die pädagogische, ganzheitlich menschenbildende Grundlage dieser Projektgestaltung hat aus meiner Sicht in der Gegenwart unschätzbaren Wert und kann nur weiterempfohlen werden. Die Teilnahme an dieser Arbeit gab mir die verschiedensten Anregungen für meine Weiterarbeit mit Schülerinnen der Mittelstufe. Einmal mehr stellte sich mir wieder die Frage nach dem Sinn von Klassenfahrten, die keinen projektbezogenen Hintergrund haben und oft zu reinen Ferienlagern werden.

Tierhaltung an der Freien Waldorfschule Schopfheirn

  1. Allgemeine Grundlagen - Motive
  2. Planung, Vorhaben, Möglichkeiten
  3. Erfahrungen und momentaner Stand November 1999

 

 

Zu 1

Zum Weltganzen, in dem das Kind zunächst mitlebt und von dem es neben den Eltern und sonstigen Bezugspersonen getragen wird, gehört ausser dem Mineral- und Pflanzenreich unbedingt unsere Tierwelt. Diese spricht in ihrer mannigfältigen Ausdrucksweise die Kinder sehr direkt und offen an. In sehr vielen unserer schönsten Märchen treten die Tiere als Helfer des Menschen auf, wenn dieser sich den Naturwundern oder der Tierwelt gegenüber nicht verschließt und sich mit einer Ehrfurchtshaltung seiner Seele der Tierwelt nähert. Die verschiedenen Temperamente der Kinder werden durch die Einseitigkeiten der Tierarten unmittelbar angesprochen und in eine gewisse innere Regsamkeit versetzt.

Durch das Vorhandensein und die ständige Pflege der sich dazu verpflichtenden Menschen entsteht ganz selbstverständlich ein innerer Bezug zur Tierwelt und ihrem Lebensraum und damit auch zum Schulgelände. Der Garten, ja das ganze Umfeld der Schule wird durch die Anwesenheit auch nur weniger oder kleiner Tiere in einer bestimmten Weise beseelt. Indem neben den Tierfabeln, die auf humorvolle Weise Einseitigkeiten charakterisieren und den Kindern der 2. Klasse erzählt werden, die Beobachtung geschult wird, entsteht Zuneigung zum Tierreich. Das Vertrautwerden mit den Tieren und ihren vielfältigen Lebensäußerungen begründet in der Menschenseele immer echte Tierfreundschaft. Das läßt einen neuen Verantwortungsbereich wachsen.

 

Zu 2

Basis für die Haltung von Tieren an einer Schule ist die Bereitschaft der Menschen und die durch das Gelände gegebenen Möglichkeiten. Es ist unerlässlich, dass das Kollegium und die Elternschaft den Wert dieser Einrichtung schätzen und mittragen können. Platz ist für eine bestimmte Art der Tierhaltung fast überall gegeben.

Unsere Planung sieht zunächst vor "Klassentiere" anzuschaffen, das heißt, jede neue erste Klasse bekommt nach Absprache mit dem Klassenlehrer und in einem Elternabend ein oder auch mehrere Tiere einer Art und ist fortan für diese verantwortlich. Dadurch ist die Verbindlichkeit und der intime Bezug der Klasse zu diesem Tier gegeben. Die Organisation der Pflege an Wochenenden und in Ferienzeiten obliegt der jeweiligen Klasse. Die Gartenbaulehrer tragen natürlich Sorge um die Tiere und achten auf die notwendige Pflege. Nach Möglichkeit helfen die Kinder und Eltern bei der Einrichtung und Futterbeschaffung. Die verschiedenen Arten können, soweit sinnvoll, natürlich gemeinsam untergebracht sein. Bei uns steht ein Teil des Geräteschuppens und ein großer Anteil des Gartengeländes als Auslauf und Weide zur Verfügung. Besonders anfänglich wird auch der Klassenlehrer mit seinen Erstklässlern sicher das Tier im Schulgarten gemeinsam besuchen und pflegen. Vertrautheit wird gefördert und später kann die Pflege in Pausen oder auch während des Hauptunterrichtes 'selbstständig" geschehen.

Zu 3

Gegenwärtig besteht die Tierhaltung bei uns aus einem bescheidenen Ställchen mit dem Zwerghasen "Goldfellchen"und einem rotäugigen Meerschweinchen. Die jetzige zweite Klasse betreut die Tiere von Anfang an mit viel Freude, Feuereifer, Sorgfalt und Verantwortungsbewußtsein. Ansonsten stehen am Wiesenrand zum Teich hin drei emsige Bienenvölker, welche mit einem Schülervater von den Drittklässlern über das Jahr hin betreut wurden. Zu den sicher schönsten Erinnerungen gehört der Tag, an dem der goldene Honig im Gartenhaus geschleudert wurde. Ständiger Gast im Garten ist Kater Oskar aus Nachbars Garten, der von allen Kindern geliebt wird. Manchmal dürfen unsere sehr zahmen Ziegen im Gelände weiden, jedes Mal die Attraktion für die Schüler. Auch hatte unsere Glucke Küken ausgebrütet, die dann in einem kleinen Auslauf im Schulgarten vorübergehend ihre Heimat hatten. Wie viele Pausenbrote wurden da redlich geteilt! Als zwei Schafe geschoren wurden, wer die Zuschauermenge beachtlich. Ganz interessierte Kinder nahmen selbst die Schere zur Hand. In einem Schmetterlingskasten überwintern jetzt 5 Schwalbenschwanzpuppen. Die Kinder fanden die bunten Raupen am blühenden Fenchel. Immer wieder wollen sie die Puppen sehen und die Verwandlung bewundern. Wieviel Geduld wird da noch nötig sein, bis die Schmetterlinge im nächsten Frühling ausfliegen! Manche Wildtiere, zum Beispiel ein Mauswiesel, sind Besucher im Schulgarten geworden. Darüber freuen wir uns ganz besonders und versuchen zusammen mit den Kindern die nötigen Lebensräume zu schaffen.

Schon dieser bescheidene Anfang mit den Tieren bringt etwas Bereicherndes in den Gartenalltag. Die zwei Kinder der 2. Klasse täglich bei der Pflege ihrer Tiere, was meist während des Hauptunterrichtes geschieht wahrzunehmen ist für uns eine tägliche Freude. Der Dienst wird wöchentlich gewechselt und nach Aussage des Klassenlehrers verläuft diese "Störung" im Hauptunterricht ohne besondere Unruhe oder dergleichen. Natürlich ist eine sorgfältige Einteilung der Tierdienste selbstverständlich eine Hilfe.

Manfred Kyber hat als Motto vor seine "Gesammelten Tiergeschichten" die Worte gesetzt:"Tiere haben ihre Komik und ihre Tragik wie wir. Sie sind voller Aehnlichkeiten und Wechselbeziehungen. Die Menschen glauben meist, zwischen ihnen und den Tieren sei ein Abgrund. Es ist nur eine Stufe im Rade des Lebens. Denn alle sind wir Kinder einer Einheit. Um die Natur zu erkennen, muß man ihre Geschöpfe verstehen. Um ein Geschöpf zu verstehen, muß man ihm ein Bruder sein» Vielleicht könnte das die Haltung sein, in der wir uns der Tierwelt nähern können gemeinsam mit den Kindern an unserer Schule.

Literaturhinweise

Allgemeine Menschenkunde R. Steiner GA 293

Zur Unterrichtsgestaltung im 1. bis 8. Schuljahr an Waldorf-Schulen. Gemeinsames Projekt der Pädag. Sektion am Goetheanum und der Pädagogischen Forschungsstelle beim Bund der Freien Waldorfschulen.

Der Bildungswert praktischer Arbeit E. Fucke

Grundlinien einer Pädagogik des Jugendalters E. Fucke

Pädagogischer Gartenbau Heft 1 - 3 Arbeitskreis der Gartenbaulehrer Herausgeber: Peter Lange

 

3. Abschnitt 1999/2000/2001

Eine Jahresarbeit mit einer 5. Klasse im Schulgarten zu unternehmen ist das Vorhaben des nächsten Sommers. Sie ist in Vorbereitung und wird fächerübergreifend durchgeführt werden. Beteiligt an der Arbeit ist auch der Klassenlehrer und der Werklehrer.

Für uns wird das eine spannende Arbeit, auf die wir uns freuen.

Vielleicht könnte das Thema lauten: Der Sternenhimmel in unserem Schulgarten !