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Textarchiv Schulgarten
K-Tip NR. 19 17. November 99
Patrick Gut Wenns zuhause giftgrün wuchert Giftpflanzen: In vielen Geschäften fehlt ein Warn-Hinweis für Käuferinnen und Käufer Pflanzen sind ein beliebter Wohnungsschmuck. Aber aufgepasst! Einige davon sind giftig. Wenn Kinder und Haustiere davon naschen, kanns gefährlich werden. Doch die Käufer sind meist ahnungslos. Rund 30 000 telefonische Anfragen beantwortet das Toxikologische Informations-Zentrum im Jahr. Jede zehnte hat mit Pflanzenvergiftungen Zu tun. Mit gutem Grund: Ob im Wohnzimmer oder draussen im Garten, überall sind wir umgeben von giftigen Pflanzen. Hauptsächlich Kinder und Haustiere sind gefährdet. Farbige Beeren haben es Kindern besonders angetan. Weil viele Beeren aber bitter schmecken oder auf der Zunge brennen, essen die Kinder meist nur kleine Mengen .Daher kommt es glücklicherweise nur selten zu wirklich schweren Vergiftungen, sagt Andrée Meier-Abt, Pflanzenspezialistin beim Toxikologischen Informatiunszentrum. Trotzdem empfiehlt die Fachfrau den Eltern, keine gefährlichen Pflanzen zu kaufen. Hier aber beginnt das Problem: Den wenigsten Pflanzen sieht der Laie an, ob sie giftig sind. Er ist darauf angewiesen, dass die Händler giftige Pflanzen entsprechend deklarieren. Gerade bei der Deklaration stellt Spezialistin Meier-Abt aber erhebliche Mängel fest. Der K-Tip wollte es genauer wissen und hat in Bern, St.Gallen und Zürich insgesamt 16 Geschäften Stichproben durchgeführt. Bei den Grossverteilern Migros und Coop sowie in Gartencentern und Blumengeschäften hielten die Tester nach den gängigsten Giftpflanzen Weihnachtsstern und Dieffenbachie Ausschau. Giftiger Weihnachtsstern: Nicht alle Läden warnen Bei Migros und Coop war das Resultat der Stichprobe einheitlich. Der Weihnachtsstern war in Bern mit dem Hinweis "Pflanze ist giftig" auf dem Preisschild gekennzeichnet. In Zürich stand immerhin noch "von Kindern und Haustieren fernhalten In St. Gallen dagegen verzichteten Migros und Coop beim Weihnachtsstern auf jegliche Deklaration. Dasselbe Resultat wie für den Weihnachtsstern gilt für die Dieffenbachie: Keine Deklaration bei Migros und Coop in St. Gallen. Die Hinweise sind - soweit vorhanden - zwar besser als nichts, gemäss der Expertin Meier-Abt aber insgesamt ungenügend. Besonders der Text «Von Kindern und Haustieren fern halten« genügt nicht. «Für die Konsumenten ist nicht klar, dass eine solche Pflanze giftig ist«, sagt Andrée Meier-Abt. Sie fordert ein internationales Symbol, das auch von den zahlreichen Pflanzenkunden mit ungenügenden Deutschkenntnissen sofort verstanden würde. Bei den beiden Grossverteilern kommt hinzu, dass die gleiche giftige Pflanzenart in ein und demselben Geschäft nicht unbedingt konsequent deklariert ist, wie Meier-Abt bemängelt. Für die Kunden wird die Venwirrung so total.« Bei Migros und Coop heisst es zwar, dass «alle giftigen Pflanzen mit einem Hinweis zu versehen sind«. Übereinstimmend gestehen die Pressesprecher aber eine Grauzone, weil der Pflanzeneinkauf nicht von zentraler Stelle aus durchgeführt werde. Wird die Deklaration bei Migros und Coop noch sehr unterschiedlich gehandhabt, fehlt sie bei den getesteten Gartenecentern und Blumengeschäften zumeist ganz. Löbliche Ausnahme: das Wyss Gartenhaus in Bern. Hier ist sogar angegeben, welcher Teil der Pflanze giftig ist. Verkaufspersonal weiss meistens Bescheid Gesetzliche Grundlagen, die Ordnung in das Deklarationschaos bringen wurden, gibt es nicht. Gemäss Bundesamt für Gesundheit ist im geltenden Giftgesetz keine Deklarationspflicht für giftige Pflanzen vorgeschrieben. Ändern könnte dies allenfalls, wenn das Giftgesetz dereinst durch das neue Chemikalienrecht ersetzt wird. Dies dürfte allerdings frühestens im Jahr 2004 der Fall sein. Bis dahin bleibt Konsumenten nichts anderes übrig, als sich im Laden nach der Giftigkeit der Pflanzen zu erkundigen. Neben den Unterschieden betreffend Deklaration zeigte die K-Tip-Stichprobe nämlich, dass das Verkaufspersonal Bescheid weiss, welche Pflanzen giftig sind. Auch wenn eine Verkäuferin mit ihrer Warnung vor dem Weihnachtsstern deutlich über das Ziel hinausschoss: "Wänn S driibissed, schtärbed Si!" Vorsicht beim Pflanzenkauf: · Fragen Sie beim Kauf immer, ob die Pflanze giftig ist.· Leben Sie mit Kleinkindern oder Haustieren, verzichten Sie auf giftige Pflanzen.Das Toxikologische lnformationszentrum, Freiestrasse 16, 8032 Zürich, verschickt Merkblätter. Infos zu Giftpflanzen finden Sie auch im Internet unter www.vetpharm.unizh.ch/ giftdb/giftf.htm. Oder bestellen Sie für 5 Franken die Informationsschrift «Giftige Pflanzen im Wohnbereich und in freier Natur» des deutschen Bundesinstituts für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin, Telefon 0049 308412 3460, Fax 0049 308412 3929.Soforthilfe
Giftige Zimmer-, Balkonpflanzen und Gartenpflanzen
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