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Chemiecocktail schützt Insektenpuppen

(Meldung vom 20.7.1998)

Die Larven der Käferart Epilachna borealis haben ein
ausgeklügeltes Chemiecocktail entwickelt, um sich in ihrem
Puppenstadium vor Freßfeinden zu schützen. Wie Jerrold
Meinwald und fünf weitere Autoren von der Cornell
University im Wissenschaftsmagazin Science berichten,
bedienen sich diese Verwandten des Marienkäfers der
kombinatorischen Chemie - einer Methode, die Chemiker erst
seit einigen Jahren einsetzen: Sie stellen eine Vielzahl
von ähnlichen Stoffen her, von denen ein paar gegen die
Feinde wirksam sind.
Die Haare der Puppen enthalten mehr als hundert
verschiedene Substanzen. Einige davon bringen Freßfeinde
wie Ameisen dazu, sich zu übergeben. Alle Substanzen
stammen aus der Stoffgruppe der Alkaloide, zu denen auch
Koffein und Nikotin gehören. Die von den Puppen gebilden
Moleküle sind jedoch viel komplexer als die bisher
bekannten Alkaloide. Sie werden von den Puppen auf einfache
Weise aus gewöhnlichen Fettsäuren hergestellt. Die Forscher
hoffen nun, einige der Substanzen als Medikamente nutzen zu
können.
Bis jetzt hatten sich die Wissenschaftler gewundert, wie
Epilachna borealis überhaupt überleben konnte: Die Puppen
sind leuchtend gelb und heben sich deutlich von den grünen
Blättern ab, auf denen sie sich festsetzen. Sie scheinen
eine leichte Beute zu sein - wären da nicht die giftigen
Haare.

[Quelle: Ute Kehse, Cornell University]