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Hermann Schultka
Die Dalmatinische Insektenpulverpflanze – eine vergessene Pflanze?
Die Heimat der Dalmatinischen Insektenpulverpflanze, ihr wissenschaftlicher Name
Chrysanthemum cinerariifolium Vis., ist das ehemalige Jugoslawien.
Durch einen Zufall entdeckte dort ein Bauer, der im Sommer einen Strauß dieser
Blumen pflückte und sie zu Hause auf den Küchenofen legte, die insektizide
Wirkung dieser Pflanze.Ihm fiel auf,dass am nächsten Tag alle Stubenfliegen in
seiner Küche tot am Boden lagen.
Um 1820 begann man die Pflanze in Europa zu kultivieren und zur Bekämpfung von
Insekten zu verwenden. Die wichtigsten Anbaugebiete sind Kenya, Tansania, Japan,
Ekuador und Südfrankreich.Die getrockneten Blüten sind auch als Droge, unter der
Bezeichnung Flores pyrethry dalmatici bekannt und werden heute kaum noch
gehandelt. Obwohl in unserer Zeit synthetisch hergestellte Pyrethroide in der
Schädlingsbekämpfung den Vorrang haben, kommt Chrysanthemum cinerariifolium, als
pflanzliches und ungiftiges Insektizid für Mensch und Haustiere, außer Fischen,
große Bedeutung zu.
Chrysanthemum cinariifolium gehört zur Familie der Korbblütengewächse (Compositae)
und ist eine ausdauernde krautige Pflanze, die im zweiten Jahr blüht. Wir säten
die Insektenpulverpflanze im Monat April im kalten Frühbeet aus, pikierten die
Jungpflanzen Ende Mai. Die Pflanzen wuchsen im ersten Jahr recht kräftig heran.
Alle Pflanzen überwinterten gut. In den Monaten Juni/Juli des Folgejahres
erschienen die ersten Blüten. Die Blüten sind sehr dekorativ und ähnelten
Margeritenblüten. In unmittelbarer Nähe standen Lobelien und Sommerwicken, sie
wurden stark von Insekten beflogen, wogegen unsere Insektenpulverpfanzen äußerst
selten von Insekten aufgesucht wurden.
Die günstigen toxikologischen Eigenschaften der Wirkstoffe (Pyrethrine)ihr
Wirkungsbereich und die außerordentlich geringe Umweltbelastung, ermöglichen
ihren Einsatz in unmittelbarer Nähe von menschlichen Wohnräumen. Mit Hilfe eines
alkoholischen Kaltextrakt der Blüten, lassen sich Stubenfliegen und andere
Insekten wirksam reduzieren. Schon aus diesem Grund, ist ein Anbau der
Insektenpulverpflanze bei uns von
Interesse. Allerdings bleibt zu prüfen, ob unter unseren klimatischen
Bedingungen ein Pyrethringehalt in den Blüten erreicht wird, der einen Anbau in
größerem Umfang rechtfertigt. Anbauversuche im Schulgarten und aus den Blüten
gewonnene Extrakte konnten allerdings erfolgreich gegen Blattlausbefall
eingesetzt werden.
Literatur kann vom Verfasser angefordert werden.
Aus dem Schulgarten der Freien Waldorfschule Cottbus, im Januar 2003
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